Kulturlandschaft Kastleren - heute wie damals

Kastleren im Wallis ist ein besonderes Relikt der Kulturlandschaft aus vergangenen Zeiten. Ein 'Mosaikstein' jahrhundertelang traditionell beweideter Wiesen und Wälder. Wertvoll als seltener Lebensraum für gefährdete Tiere und Pflanzen und besondere Artengemeinschaften.

 

Die Kulturlandschaft Kastleren hat schon immer auf extensive Beweidung ihrer Grünflächen gesetzt. Tatsächlich wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Ziegen und anderes Vieh auf allen Weiden der Schweiz gehalten. Auch die Nutzung der Wälder für Vieh, die Waldweide, war weit verbreitet. Damals besass jede Familie ihre Ziege, und in jedem Dorf wurden zahlreiche Ziegen auf die Weiden der Umgebung geführt.

Lichte Wälder und grosse Wiesen baten einer Vielzahl von licht- und wärmeliebenden Insekten-, Pflanzen- und Vogelarten einen grosszügigen Lebensraum. Genau solche Lebensräume gibt es mit wenigen Ausnahmen heute in der Schweiz kaum noch. Die Kulturlandschaft Kastleren ist eine davon. Genau dort können wir ansetzen. 

 

Die Kulturlandschaft Kastleren um 1931                                                                                           Foto: Stadt Bern Archiv

 
 

Landschaft im Wandel

Aufgrund von Übernutzung der Wälder in Kombination mit wiederholten Naturkatastrophen im 19. Jh. wurde die Waldweide um 1902 als 'nachteilige Nutzung' ernannt und verboten. Fortan nahm die extensive Beweidung sehr stark ab. Die Landwirtschaft wurde intensiviert. Alte Rassen wurden durch neue, für den höheren Milch- und Fleischertrag gezüchtete, ersetzt.

Das Verschwinden der extensiven Beweidung führte innert weniger Jahrzehnte zu erheblich weniger Weideflächen und dichteren Wäldern. Die Weiden verwaldeten.

Die einst grosse Vielfalt an Pflanzen, Insekten und Vögeln verschwand weitgehend. Nur kleine Teile von hoher Landschaftsqualität blieben übrig.

Eben diese kleinen 'Überbleibsel' der ehemaligen extensiven Weiden sind für uns hoch wertvoll. Sie sind die letzten Lebensräume, welche noch die ehemaligen Artengemeinschaften beherbergen können. Sie dienen den neu geschaffenen Weiden und Wälder demnach als Quelle, aus der sie ihre Artenvielfalt schöpfen werden.

 

Blick auf die Kulturlandschaft Kastleren um 1931 und heute. Zu sehen ist Turtmann (Dorf), sowie Kastleren zur rechten Seite des Turtmanntals.

Fotos: Stadt Bern Archiv (links); Juliet Blum (rechts).


Die Kulturlandschaft Kastleren verkörpert Werte, die für uns wichtig sind.
Mosaikartige Landschaften und Artenvielfalt,
Spass an der Natur und Tieren,
lebendige Tradition und soziale Integration.

Als die Geissen die Landschaft pflegten...

Eindrücke aus dem letzten Jahrhundert, als die Ziegenweide noch weit verbreitet war.

Fotos: Schweizer Postkarten (private Sammlung).