Landschaft im Wandel

Kastleren im Wallis ist ein besonderes Relikt der Kulturlandschaft aus vergangenen Zeiten. Ein 'Mosaikstein' jahrhundertelang traditionell beweideter Wiesen und Wälder. Wertvoll als seltener Lebensraum für gefährdete Tiere und Pflanzen und besondere Artengemeinschaften.

Die Kulturlandschaft Kastleren hat schon immer auf extensive Beweidung ihrer Grünflächen gesetzt. Tatsächlich wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Ziegen und anderes Vieh auf allen Weiden der Schweiz gehalten. Auch die Nutzung der Wälder für Vieh, die Waldweide, war weit verbreitet. Damals besass jede Familie ihre Ziege, und in jedem Dorf wurden zahlreiche Ziegen auf die Weiden der Umgebung geführt.

Lichte Wälder und grosse Wiesen boten einer Vielzahl von licht- und wärmeliebenden Insekten-, Pflanzen- und Vogelarten einen grosszügigen Lebensraum. Genau solche Lebensräume gibt es mit wenigen Ausnahmen heute in der Schweiz immer weniger. Die Kulturlandschaft Kastleren ist eine davon. Genau dort sind die Wurzeln unseres Vereins. 2016 wurde der Verein gegründet, um die Bewirtschaftung dieses Naturschatzes zu sichern.

Blick auf die Kulturlandschaft Kastleren um 1931 und heute. Zu sehen ist das Dorf Turtmann, sowie Kastleren zur rechten Seite des Turtmanntals.

Fotos: Stadt Bern Archiv (links/oben); Juliette Blum (rechts/unten).


Aufgrund von Übernutzung der Wälder in Kombination mit wiederholten Naturkatastrophen im 19. Jh. wurde die Waldweide um 1902 als 'nachteilige Nutzung' ernannt und verboten. Fortan nahm die extensive Beweidung sehr stark ab. Die Landwirtschaft wurde intensiviert. Alte Rassen wurden durch neue, für den höheren Milch- und Fleischertrag gezüchtete, ersetzt.

Das Verschwinden der extensiven Beweidung führte innert weniger Jahrzehnte zu erheblich weniger Weideflächen und dichteren Wäldern. Die Weiden verwaldeten. Die einst grosse Vielfalt an Pflanzen, Insekten und Vögeln verschwand weitgehend. Nur kleine Teile von hoher Landschaftsqualität blieben übrig. Eben diese kleinen 'Überbleibsel' der ehemals extensiv genutzten Weiden sind für uns sehr wertvoll. Sie sind die letzten Lebensräume, welche noch ursprüngliche Artengemeinschaften beherbergen und sind eine wichtige Quelle der Artenvielfalt für neu geschaffene Weiden und Wälder.

Unser Engagement zeigt Wirkung

Mai 2010 (links): Diese wertvolle Fläche ist verdunkelt und nur noch einige, häufig vorkommende, Arten wachsen, fliegen und kriechen.

Mai 2017 (rechts): Nach intensiven Arbeiten und durch Ziegenbeweidung ist die Weide wieder lichter und viele seltene und häufige Lebewesen sind zurück. 


Ergebnisse der Erfolgskontrolle 2020

  • Erhaltung und Erhöhung der Individuenanzahl der Frühlingsadonis (Adonis vernalis)
  • Ausbreitung von offenen Lebensräumer und Verbesserung der ökologischen Qualität der Fläche
  • Zunahme der Individuenanzahl von Tagfaltern und Heuschrecken, mehr seltene Arten und mehr Biomasse